Hundetraining: So lernt Dein Hund longieren.

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on email
Longiertraining mit Hund

Longieren mit einem Hund? Wird das nicht nur bei Pferden angewandt? Eigentlich schon, jedoch wird das Longieren mit Hunden eine immer bekanntere und beliebtere Trainingsform. Beim Longieren wird vor allem die Bindung und Kommunikation zwischen Hundehalter und vierbeinigem Freund verstärkt.

In diesem Artikel bringen wir Dir alles zum Thema longieren bei Hunden näher und helfen Dir herauszufinden, ob dieses Training auch etwas für Dich ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Longietraining zeichnet sich vor allem über die Abgabe nonverbaler Kommandos des Menschen aus.
  • Die Bindung und Kommunikation zwischen Mensch und Tier wird intensiviert und ausgebaut.
  • Im Voraus solltest Du Dir Gedanken über die Art Deines Longiertrainings machen und erst dann beginnen.
  • Diese Trainingsmethode ist physisch und psychisch sehr anstrengend für Deinen Liebling und dementsprechend sollten kurze Trainingssequenzen stattfinden.
  • Das Training eignet sich für nahezu jede Hunderasse und ist mittlerweile sogar eine anerkannte Sportart.

Hintergründe: Was Du über das Longieren bei Hunden wissen solltest

Anbei findest Du die wichtigsten Informationen und Grundlagen, rund um das Thema Longieren mit Deinem Hund.

Was bedeutet Longieren von Hunden überhaupt?

Das Hundelongieren kannst Du Dir ähnlich wie beim bekannten Vorreiter – das Pferde-Longieren – vorstellen. Der Hund bewegt sich am äußeren Rand eines großen Kreises und führt in dieser Trainingsform die Anweisungen und Übungen des Hundehalters aus. Der Trainer, welcher sich in der Mitte des Kreises befindet, gibt die nonverbalen Kommandos.

Die Kommunikation erfolgt somit über im Voraus erlernte Ausdrücke und Verhaltensweisen. Klassische Aufgaben sind “Sitz”, “Platz”, “Steh” und “Halt”.

Woher kommt das Longieren mit Hunden?

Tatsächlich ist nicht komplett bekannt, worin das Longieren mit Hunden begründet liegt. Aus ersichtlichen Gründen wird es zumeist als Abwandlung der Pferdearbeit verstanden. Diese lang praktizierte Pferdearbeit an der langen Laufleine (Longe) hat eine große Ähnlichkeit.

Des Weiteren ist es möglich, dass dieses Training aus der Hirtenarbeit stammt. Hütehunden wird bei der Ausbildung beigebracht, wie sie die Herde durch Umkreisen zusammentreiben und die Kommandos des Hirten auch nonverbal verstehen.

Ferner nutzen die Skandinavier das Logieren als Ausdauertraining der Polizeihunde und wurde dadurch stetig beliebter.

Hund longiert ohne Leine

Beim Longieren konzentriert sich und vertraut der Hund vollkommen auf seinen Anweiser.

Ist das Hunde-Longieren mittlerweile eine anerkanntes Training?

Ja. Das spezifische Longier-Training ist heutzutage eine eigenständige und anerkannte Hundesportart. Bereits seit 1960 wird das Longieren als Sportart betrieben. Kynologische Dachverbände haben diese offiziell anerkannt.

Warum sollte ich mit meinem Hund longieren?

Das größte Ziel des Longierens ist die Stärkung der Bindung und Kommunikation zwischen Hund und Herrchen. Das Training kann sowohl zum Herstellen, als auch zum Verbessern der Bindung und Kommunikation beitragen.

Durch das Durchführen der Kommandos in einer gewissen Distanz, wird das gegenseitige Vertrauen und dementsprechend auch die Bindung gestärkt. Beide Seiten müssen sich intensiv auf den Gegenspieler konzentrieren und die Ausdrücke des anderen deuten lernen.

Der Hundeführer sollte dabei lernen, seine Körpersprache und nonverbalen Kommandos möglichst verständlich und kontrolliert zu nutzen. Der Vierbeiner wird zudem geistig und körperlich ausgelastet und lernt, wie er achtsam und unter Anleitung seines Halters zu agieren hat.

Als Therapiemaßnahme für verhaltensauffällige Hunde und unterstützend zur Rehabilitation, eignet sich das Longieren ebenfalls sehr gut.

8 Longier-Ziele und Gründe fürs Longieren mit Ihrem Liebling

  • Koordination beider Seiten wird ausgebildet
  • Körpersprache des Gegenübers erkennen und verstehen lernen
  • Motivationssteigerung
  • körperliche und sportliche Auslastung
  • mentale Auslastung und erhöhte Lernkonzentration
  • Konzentrationsfähigkeit des Hundes wird geschult
  • neue Perspektiven bieten frische Impulse des Trainings
  • Bindungsstärkung zwischen Hund und Mensch

Eignet sich meine Hunderasse zum Longieren?

Ganz allgemein gesagt, eignet sich jede Hunderasse für das Training. Die Sportart ist individuell auf die Bedürfnisse von Dir und Deinem Vierbeiner anpassbar. Dementsprechend können sogar Hunde mit Handicap, ältere Hunde und/oder besonders kleine/große Hunde diese Aktivität durchführen.

Besonders für Rassen, welche oft als Hütehunde eingesetzt werden, ist das Longieren perfekt geeignet. So beispielsweise für Collies, Australian Shephers, Shelties und viele weitere.

Große Acht sollte gegeben werden, wenn der Hund im Alltag als Jagdhund oder Rettungshund dienen soll. Dann ist dieses Training NICHT empfehlenswert, da diese Hunde auf selbstständiges Handeln, ohne Sichtkontakt zum Herrchen ausgebildet werden. Auch bei sehr jungen Hundewelpen und Vierbeiner mit Gelenkbeschwerden sollte Vorsicht geboten sein.

Sehr positive Auswirkungen des Longierens kann sich beim regelmäßigen Training mit verhaltensauffälligen und problematischen Hunden zeigen. Hierunter zählen agressives Verhalten, Bindungsprobleme, zurückhaltende und unsichere Hunde und Vierbeiner mit unkontrolliertem Jagdverhalten. Die spezifischen Übungen des Laufens können zu rehabilitatorischen Zwecken dienen.

Methoden und Longierarten

Im Gegensatz zum normalen Training, welches vor allem durch verbale Kommunikation erfolgt, wird beim Longieren auf nonverbales Training gesetzt. Die Zuwendung des Herrchens durch beispielsweise Blickkontakt und eine starke Körpersprache dient als Motivation für den Hund. Der Einsatz von verbalen Kommandos oder auch von externen Motivationseinflüssen wie Leckerlies, sollte nur am Anfang erfolgen und schnellstmöglich unterbunden werden.

Longierarten auf einen Blick:

  • mit Tabuzone: Das Longieren mit einer sogenannten Tabuzone bedeutet, dass der Hund den inneren Kreis nicht betreten darf – er ist für ihn “tabu”.
  • ohne Tabuzone: Die verbotene Zone existiert nicht, jedoch wird der Hund nur belohnt oder bekommt Bestätigung, wenn dieser am Außenrand läuft.
  • Freies Longieren: Beim Freilongieren wird auf eine Kennzeichnung des Kreises verzichtet.
  • mit Tricks: Diese Longierart ist nichts für Anfänger, da sich bereits vom der normalen Kreisform abgewendet wird und diese in eine Acht- oder Ovalform abgewandelt wird.
  • kooperativ: Die Bindung zwischen Hund und Hundeführer wird beim kooperativen Longieren vertieft. Dies passiert zudem durch die Erweiterung der Kommandos und das Vergrößern des Longierkreises.
  • Beschäftigungslongieren: Diese Form greift die Nutzung von Hürden und/oder den zeitgleichen Einsatz mehrerer Vierbeiner auf.
  • koordinatorisch: Das koordinatorische Longieren arbeitet mit zugesetzten Reizen und Einflüssen von außen. Durch die stattfindende Ablenkung soll sich noch stärker auf den Hundeführer konzentriert werden.

Anleitung für das richtige Longiertraining

Anfolgend findest Du eine kurze Anleitung, wie Du mit dem Training mit deinem Liebling beginnst. Zudem ist am Ende eine Infografik eingefügt, welche Dir nochmals alles in der anschaulichen Kurzversion zeigt.

Vorbereitung

Was solltest Du im Voraus beachten und herrichten?

  1. Bereite einen deutlich abgesteckten Kreis vor (zwischen fünf und 30 Metern). Das Abstecken kann durch Absperrband oder Pylonen erfolgen.
  2. Besorge eine Schleppleine.
  3. Für die ersten Stunden solltest Du zudem einen Clicker zur Hand haben.
Zusatzinformation: Der Klicker ist ein kleines Tastengerät, welches, wie der Name schon sagt, ein charakteristisches Klickgeräusch von sich gibt. Gerade in den Anfängen ist die Nutzung empfehlenswert und erleichtert die Konditionierung des Hundes.

Durchführung und erste Schritte

Der Longierkreis sollte sich an den Maßen Deines Hundes richten und eine Größe zwischen fünf und 30 Metern haben. Während der ersten Einheit des Trainings wird vor allem darauf geachtet und dahingehend geschult, dass der Hund an der äußeren Kreisabsperrung handelt und Du innerhalb dieser bleibst.

Dies erreichst Du dadurch, dass Du mit dem Hund entlang des Kreises an der Leine läufst. Nach und nach beginnst Du Dich immer weiter von der Linie zu entfernen. Dabei darf Dein Hund Dir nicht folgen, sondern läuft weiterhin am Äußeren des Kreises. Letztendlich solltest Du Dich in der Mitte des Kreises befinden und Deinem Hund durch körperliche Kommandos bewusst gemacht haben, dass dieser Dir nicht folgt.

Vergiss hierbei nicht, dass Du Deinen Liebling vor allem in den Anfängen immer wieder belohnst, wenn dieser seine Aufgabe gut gemacht hat. Starte mit wenigen Trainingsminuten und steigere diese langsam, um deinen Hund nicht zu überfordern und langsam an die neue Situation zu gewöhnen.

Hierbei gibt es, wie oben genannt Trainingsvarianten mit und auch ohne Tabuzone. Entscheide Dich bereits im Voraus, welche der Methoden Du anwendest. Wenn der Hund die gegebenenfalls im Voraus bestimmte Tabu-Zone betritt, solltest Du dies mit Deiner Körpersprache ganz klar deutlich machen. Die Belohnungen können im fortschreitendem Training schrittweise reduziert werden.

Anbei findest Du ein kurzes Erklärvideo zu den ersten Schritten vor. In diesem Fall sogar in der Durchführung mit einem Welpen.

So geht’s weiter

Nachdem Dein Hund das Laufen außerhalb des Kreises gelernt hat, können zusätzliche Kommandos ins Spiel kommen. Anfänglich bieten sich einfache Kommandos wie “Sitz”, “Steh” und “Platz” an. Mit der Zeit und mehr Trainingsroutine können anspruchsvollere Varianten und Körperkommandos eingebaut und -übt werden.

Zudem sollte das Longieren ohne Leine geübt und verinnerlicht werden. Vor allem im Alltag und bei Spaziergängen ist dies sehr hilfreich.

Wenn die grundlegenden Kommandos durch die Kommandos und Körpersignale verinnerlicht sind, kann die Umstellung auf sogenannte Sichtsignale geschehen. Hierbei ist es besonders wichtig, dass Du gelernt hast Deinen Körper und dessen Signale optimal einzusetzen. Wenn hier Unsicherheiten bestehen, bietet sich das Dazu holen einer weiteren Person an, welche Dich auf Fehler in der Körpersprache hinweisen kann. Vergiss auch hier nicht, Fortschritte entsprechend zu belohnen.

Wenn die Grundlagen sitzen

Wenn das Training mit und ohne Leine wirklich sicher eingeübt ist und auch die wichtigsten Kommandos von beiden Seiten gut kommuniziert und verstanden werden (allein über Sichtsignale), kann die Schwierigkeitsstufe erhöht werden.

Hier können nun Richtungs- und Tempowechsel in das Training hinzugenommen werden. Um Deinen Hund zum Stehen zu bringen, wendest Du Dich ruckartig Deinem Hund zu. Ein nachfolgender Blick in die entgegengesetzte Richtung und zudem das Übertreten der gedachten Leine, zeigt den Richtungswechsel für den Hund an.

Nach und nach können Ablenkungen und weitere Reize in das Training eingebaut werden. Diese sollten die Aufmerksamkeit Deines Hundes Dir gegenüber dennoch nicht schmälern. Das können weitere Hunde, Personen oder auch Reifen oder Sprünge sein.

Infografik Anleitung Longiertraining mit Hund

Zusammenfassung der wichtigsten Schritte zum Longiertraining mit Deinem Hund

Trivia: Was Du sonst noch über das Longieren beim Hund wissen solltest

Es sind noch Fragen offen? Anbei findest Du weitere wichtige Fragen rund ums Thema.

Welche Varianten des Longieren gibt es für Fortgeschrittene?

Wenn Du und Dein Vierbeiner das klassische Longieren in Kreisform bereits beherrschen, kannst Du dies auch mit anderen Formen ausprobieren. Bei Fortgeschrittenen werden oftmals Hürden eingebaut oder die eigentliche Kreisform wird zu einer Acht oder einem Oval abgeändert. Ebenso bietet sich das Freilongieren, ohne Abstecken einer vorherigen Form, für Fortgeschrittene an.

Anbei findest Du ein Video vor, welches Varianten des fortschrittlichen Longierens aufzeigt und Dir Anregungen an die Hand gibt.

Welche möglichen Aufgaben gibt es beim Longieren mit Hund?

Sobald der Hund die Grundlagen des Longierens versteht, solltest Du das Longieren ohne Leine üben. Wenn auch dies klappt, können Kommandos jeglicher Art zugefügt werden. Diese sollten sowohl mit körperlichen Signalen als auch mit reinen Sichtsignalen eingeübt werden.

Zudem können, wie bereits oben genannt auch Hürden und weitere Reize eingefügt werden. Das Belohnen mit Leckerlies oder Ähnlichem sollte langsam abgewöhnt werden.

Gibt es gesundheitliche Gefahren für den Hund?

Das Longieren ist grundlegend eine sehr gesunde und ungefährliche Sportart, welche die Fitness Deines Lieblings verbessert. Wenn jedoch bereits Gelenkbeschwerden vorliegen, solltest Du es lieber nicht ausführen.

Ebenso ist es ratsam, dass eine einseitige Belastung vermieden wird und zum Beispiel durch Richtungswechsel eine Variation geboten wird. Das langanhaltende Laufen im Kreis kann die Gelenke belasten.

Sollten Belohnungen beim Longiertraining eingesetzt werden?

Hierbei streiten sich die Meinungen und Ansichten. Aus persönlicher Erfahrung heraus gesagt, bietet es sich bei den ersten Schritten durchaus an, die Motivation und das Verstehen zu unterstützen. Hierbei können Belohnungen jeglicher Art dienen. Leckerlis, Spielzeug oder ausführliches Loben sind nur einige der vielen Möglichkeiten.

Mit der Zeit und voranschreitendem Training sollten die Belohnungen jedoch weniger werden und schlussendlich nicht mehr eingesetzt werden. Ziel ist es, dass die Motivation des Hundes das Agieren des Menschen darstellt.

Aufmerksamkeit des Hundes beim Longieren

Die Konzentration und Handlungen des Hundes sollten durch das Agieren des Menschen beim Longieren motiviert werden.

Was kann zum Abstecken der Longierform genutzt werden?

Die einfachste und günstigste Variante ist wohl einfaches Flatterband, welches im Baumarkt erhältlich ist. Ebenso können Hütchen, Stöcke, Eimer oder Bodenmarkierungen durch Farbe genutzt werden. Wichtig ist, dass der Hund diese Markierungen gut und einfach wahrnehmen kann und diese keine Verletzungsgefahr darstellen.

Fazit

Das Longieren mit Deinem Hund wird Dich und Deinen Liebling in vielerlei Hinsichten weiterbringen. Die Fortbildung und das bessere Kennenlernen Deiner körperlichen Signale stärkt Eure gegenseitige Kommunikation und Bindung.

Das physisch und psychisch anstrengende Training mit Deinem Hund sollte jedoch langsam begonnen und gesteigert werden. Ziel ist es, dass der agierende Mensch letztendlich die Handlungsmotivation des Hundes darstellt.

Weiterführende Links und Recherchequellen

https://www.easy-dogs.net/longieren-spiel-und-spass-am-kreis/
https://youtu.be/oN8pCddnH3U
https://youtu.be/AqsrI264Css

Rate this post