Anti-Giftköder-Training: So frisst Dein Hund nichts vom Boden

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on email
Anti-Giftköder-Training Hund auf Waldweg

Dein Hund nimmt beim täglichen Spaziergang plötzlich etwas vom Boden auf. Du wirst unsicher und hoffst, dass es nichts Giftiges war. In den meisten Fällen ist der gefressene Fund für Deinen Vierbeiner verträglich. Jedoch möchten wir Dir in diesem Ratgeber nähere Informationen über das Anti-Giftköder-Training vermitteln, um entspannte Gassirunden zu ermöglichen und potenzielle Gefahrenquellen zu umgehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hunde sind von Natur aus veranlagt, alles Auffindbare zu fressen.
  • Sei Dir der Gefahr von präparierten Giftködern und sonstigen Gefahrenquellen stets bewusst.
  • Fange mit dem Training zeitig an und bleibe stets am Ball.
  • Melde Giftköder-Funde bei der Polizei.
  • Kontaktiere bei Verdacht der Giftköder-Aufnahme sofort einen Tierarzt!

Hintergründe: Was Du über das Anti-Giftköder-Training wissen solltest

Ein Anti-Giftköder-Training hilft Dir Deinem Hund beizubringen, dass er nichts vom Boden aufnehmen soll. Es dient Dir dabei nicht nur für ausgelegte Giftköder, sondern beugt auch die orale Aufnahme von sonstigen Gefahrenquellen vor.

Die weit bekannten Giftköder werden von Hunde hassenden Menschen präpariert und verteilt. Die Absicht dahinter ist unverständlich und dient dem alleinigen Zweck, Hunden aus der Umgebung Schaden zuzufügen und gegebenenfalls zu töten. Präparierte Giftköder bestehen meistens aus schmackhaften Fleisch, Wiener, Buletten oder Leberpasteten. Dies stellt eine große Verlockung für Deinen Hund dar.

Jedoch täuscht der äußere Anblick. Im Inneren der angeblichen Leckereien können sich einerseits scharfe, metallene Gegenstände wie Rasierklingen oder Nägel verstecken. Andererseits können diese mit frei verkäuflichen Giften, wie Schneckenkorn oder Rattengift, zugesetzt sein. Beide Arten können für Deinen Vierbeiner beim Verzehr lebensbedrohlich werden.

Giftköder aus Wiener mit Rasierklingen

Alle Hunde sind davon betroffen. Hunde folgen ohne Training ihren Instinkten. Den Boden auf Nahrung zu durchstöbern und diese zu fressen, ist ein natürliches Verhalten. Die Ausprägung unterscheidet sich von Hund zu Hund. Manche weisen eine höhere Neigung dazu auf, als andere.

Neben den mutwillig ausgelegten Giftködern gibt es auch andere Gefahrenquellen. Häufig erleiden Hunde eine Vergiftung aufgrund ausgestreuten Parasitenvernichtungsmittel, wie Rattengift oder Schneckenkorn.

Auch Dünger oder Pestizidmittel auf Wiesen können Deinen Hund gefährlich werden. Müll oder ausgeschiedene Exkremente von Tieren enthalten ebenso möglicherweise Bakterien, Viren oder Würmer.

Hinweis: Schicke regelmäßig eine Kotprobe Deines Hundes ins Labor. So kannst Du einen Wurmbefall ausschließen oder dem rechtzeitig entgegenwirken.

Staubsauger-Hund: Was kann ich gegen das vom Boden fressen tun?

Du kannst gar nicht so schnell gucken, wie Dein Hund etwas gefressen hat? Viele Hunde neigen dazu, wie ein Staubsauger alles vom Boden aufzusammeln. Genießbar oder auch nicht genießbar. Wir zeigen Dir nun Erste Hilfe Maßnahmen, grundlegende Maßnahmen und spezielle Übungen, um Deinen Hund diese Verhaltensweise abzugewöhnen.

Erste Hilfe Maßnahmen: Maulkorb und Schleppleine

Du weißt genau, das zurzeit viele Giftköder in Deiner Gegend ausgelegt werden und Dein Hund ein Staubsauger ist? In diesem Fall solltest Du als Erste Hilfe Maßnahme entweder das Gebiet weiträumig vermeiden, einen Maulkorb anlegen oder Deinen Hund in einem gesicherten, einwirkbaren Rahmen an einer Schleppleine halten.

Die Schleppleine sollte nur an einem gut passenden Geschirr befestigt werden. Die Befestigung der Leine am Halsband Deines Hundes kann ihn unter Umstanänden verletzen. Trage beim Umgang mit der Schleppleine immer zum Schutz Handschuhe. Du solltest die Schleppleine stets in Schlaufen aufnehmen und freigeben.

Wenn Du Dich für einen Maulkorb entscheidest, achte auf die passende Größe und Sitz. Dein Hund sollte den Maulkorb nicht abstreifen, aber auch noch normal atmen können. Gewöhne Deinen Hund langsam an das Tragen eines Maulkorbs. Fange mit ein paar Sekunden an und steigere Dich stetig. Der Maulkorb sollte positiv verknüpft werden.

Anti-Giftköder-Training erste Maßnahme Hund mit Maulkorb und Leine

Grundlegende Maßnahmen

In diesen Abschnitt möchten wir Dir grundlegende Maßnahmen vorstellen die Du und Dein Hund beachten und umsetzen solltet.

Sicherer Rückruf

Der sichere Rückruf ist im Hundetraining essenziell. Dabei dient er nicht nur beim Anti-Giftköder-Training, sondern ist in eurer Mensch-Hund-Beziehung ein wichtiger Bestandteil vieler Bereiche.

Dein Vierbeiner sollte unter allen Umständen und Ablenkungen unverzüglich zu Dir kommen, sobald Du das Signal dazu gibst. Egal, ob Dein Hund gerade spielt, eine interessante Spur verfolgt oder etwas Essbares auf dem Boden findet.

Beim Training des sicheren Rückrufs wählst Du vorab ein Rufwort aus, üblicherweise “hier”. Zu Beginn solltest Du mit einer Schleppleine arbeiten. Sobald Du die Aufmerksamkeit Deines Hundes durch Klatschen, Rückwärtsgehen erreicht hast und Dein Hund auf dem Weg zu Dir ist, verwendest Du Dein Rufwort. Bei Dir angekommen erhält Dein Hund ein besonderes Leckerli zur Belohnung. Das Leckerli sollte etwas sein, dass Dein Vierbeiner liebt, aber sonst nie bekommt.

Hinweis: Nimm das Leckerli erst aus der Tasche, wenn Dein Hund bei Dir ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Dein Hund immer erst abcheckt, ob Du überhaupt etwas für ihn hast.

Beschäftigung während des Spaziergangs

Manche Hunde fressen unterwegs nur vom Boden, um Aufmerksamkeit von Dir zu erhalten. Dabei ist es Deinem Vierbeiner egal, ob diese negativ oder positiv ist. Andere Hunde suchen aus Langeweile den Boden ab, da sie keine andere Aufgabe haben. Es muss nicht auf Deinen Hund zutreffen, jedoch könnte eine angemessene Beschäftigung während des Spaziergangs das Hundetraining unterstützen.

Die Beschäftigung kann in Form von Unterordnung, Tricks, Suchspiele oder auch Apportieren erfolgen. Probiere aus, was für Dich und Deinen Hund am besten funktioniert und Spaß macht. Durch diese gezielte Abwechslung wird Dein Hund geistig ausgelastet und damit ausgeglichener.

Im folgenden Video erhältst Du Beschäftigungsideen für unterwegs:

Fressen nur nach Freigabe

Eine weitere Grundmaßnahme besteht darin, Deinen Hund jegliches Fressen nur durch eine von Dir erteilte Freigabe zu gewähren. So solltest Du Deinen Vierbeiner vor der täglichen Fütterung erst Sitz machen und warten lassen. Währenddessen stellst Du den Napf auf seinen Futterplatz. Falls Dein Hund aus dem Sitz aufsteht, korrigiere ihn. Ansonsten gib ihm das Futter mit einem Kommando, üblicherweise “nimm” frei.

Du kannst diese Übung auch intensivieren, indem Du beispielsweise ein geliebtes Leckerli vor den Pfoten Deines Hundes ablegst. Dieses darf ebenso nur durch Dein Freigabe-Kommando aufgenommen werden.

Eigene Erwartungshaltung verändern

Hunde reagieren auf die Energie und Ausstrahlung von uns Menschen. Wenn Du gelassen bleibst und Ruhe ausstrahlen wird es Dir Dein Hund gleichtun. Aufsteigende Panik wird dagegen Deinen Hund schneller handeln lassen.

In Bezug auf die Giftköder bedeutet dies, dass Dein Vierbeiner möglicherweise den potenziellen Giftköder schneller aufnimmt und runterschluckt. Er erkennt an Deiner inneren Haltung, dass Du ihm sein Fressen wegnehmen möchtest und versucht dies durch schnelles Reagieren zu vermeiden.

Abbruch-Signal: Tabu oder Aus

Jeder Hund sollte Grenzen kennen und respektieren. In der Hundeerziehung ist dabei ein Abbruch-Signal, wie “Tabu” oder “Aus”, sehr wichtig. Wenn dieses Kommando zum Einsatz kommt, dann soll Dein Hund unverzüglich seine aktuelle Handlung abbrechen. So kannst Du Deinen Hund daran hindern einen Giftköder vom Boden aufzunehmen. Wenn er ihn bereits im Maul hat, soll Dein Hund diesen sofort fallen lassen.

In diesem Video erfährst Du eine Möglichkeit ein Abbruch-Signal zu etablieren:

Interessant zu wissen: Die Hundemama wendet bei ihren Welpen einen Schnauzenbiss oder Nackenstoß als absolutes Abbruch-Signal an. Dieser erfolgt jedoch nur als deutlichere Konsequenz, wenn die Welpen nicht auf Zähne zeigen oder anknurren reagieren.

Spezielle Übungen

Nun möchten wir Dir noch ein paar spezielle Übungen vorstellen, die an das Anti-Giftköder-Training angepasst sind.

Vor Futter stoppen

Bei dieser Übung soll Dein Hund vor ausgelegten Futter stehen bleiben und Dich anschauen, statt es direkt zu verschlingen. Dies kannst Du mithilfe eines Clickers trainieren. Zunächst klickerst Du jeden kurzen Blick Deines Hundes zum Futter und gibst ihm dafür ein besonderes Leckerli. Mit der Zeit verlängerst Du stetig die Blickdauer, die Dein Hund ausharren muss.

Hinweis: Dein Hund sollte das Prinzip des Clickertrainings, Click = Belohnung, bereits erlernt haben.

Nach der Clicker-Belohnung gib Deinem Hund auch das Futter auf dem Boden frei. Hierbei lernt Dein Hund zusätzlich, dass er Futter nur nach einem Freigabesignal fressen darf. Dein Hund möchte das Futter vom Boden, wenn Du es ihm gänzlich verbietest, könnte er es unerlaubt von sich aus fressen.

Du solltest die Übung generalisieren und an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen ausgelegten Futtersorten (Brot, Käse, Wurst) üben. Du kannst den Schwierigkeitsgrad erhöhen, indem Du das Futter ins Gebüsch oder aus dem Sichtfeld legst.

In diesem Video wird Dir eine andere Möglichkeit der Futterverweigerung erklärt:

Umkonditionierung: Futter finden und anzeigen

Sobald Dein Hund gelernt hat bei auf dem Boden liegenden Futter zu stoppen oder zumindest zu zögern, kannst Du den darauffolgenden Schritt üben. Lass Dir das Futter von Deinem Hund anzeigen, indem er sich davor hinsetzt. Wir zeigen Dir, wie es funktioniert:

Klickere den Blick zum Futter. Jedoch belohne Deinen Hund nicht direkt dafür, sondern lass ihn zunächst mit einem Sitz-Signal davor absitzen.

Nachdem Dein Hund nach wiederholtem Üben das Prinzip verstanden hat, lasse das Sitz-Signal weg. Lass Deinen Hund nach dem Klickern die Zeit, bis er sich von selbst hinsetzt. Wenn er dies umsetzt, belohne ihn und gebe dann zusätzlich das Leckerli vom Boden frei.

Im nächsten Schritt klickerst Du nicht mehr den Blick Deines Hundes zum Futter, sondern erst, wenn er davor absitzt. Wenn die vorangegangenen Schritte intensiv geübt wurden, sollte Dein Hund das schnell verstehen. Belohne anschließend überschwänglich. Zeig Deinem Vierbeiner, dass das Verhalten erwünscht ist.

Hinweis: Übe dies an verschiedenen Orten und mit Ablenkungen.

Tauschhandel

Wenn Dein Hund Dinge nur schwer wieder hergibt und diese verteidigt, solltest Du mit ihm einen Tauschhandel trainieren. Hierbei soll Dein Hund lernen, dass er etwas anderes bekommt, wenn er seinen aktuellen Fund freiwillig hergibt.

Gib Deinem Hund zur Übung zunächst ein Spielzeug. Wenn er dieses in der Schnauze festhält, dann halte ein Leckerli vor seine Nase. Sobald Dein Hund seine Schnauze öffnet, gibst Du ihm ein gewähltes Kommando, beispielsweise “Lass los”. Dabei tauschst Du mit ihm Dein Leckerli gegen das Spielzeug. Übe das Kommando, solange bis Dein Hund es verstanden hat.

Trivia: Was Du sonst noch über Anti-Giftköder-Training wissen solltest

In diesem Abschnitt erfährst Du, was Du noch über die Thematik Anti Giftköder Training wissen und beachten solltest.

Warum frisst mein Hund alles, was er findet?

Es ist ein vollkommen natürliches Verhalten, dass Hunde ihre gefundene Beute fressen. Durch ihre Verteilung der Geschmacksknospen nehmen Hunde fleischige Nahrung schnell wahr.

Die Nahrung wird nicht ausgiebig zerkaut, sie wird lediglich mit den Reißzähnen zerstückelt und heruntergeschluckt. Die Geschmacksknospen für Bitterstoffe befinden sich hinten auf der Zunge, so bemerkt der Hund das eventuell enthaltene Gift oftmals nicht.

Funktioniert das Anti-Giftköder-Training auch bei Welpen?

Ja, Anti-Giftköder-Training funktioniert auch bei Welpen. Insbesondere Welpen haben den Drang alles ins Maul zu nehmen. Diesem Instinkt sollte frühzeitig entgegengewirkt werden.

Mit dem Anti-Giftköder-Training sollte so früh, wie möglich begonnen werden. Beispielsweise kann auch ein Welpe schon lernen, dass er sein tägliches Futter nur durch ein Freigabe-Kommando erhält.

Hinweis: Beachte die geringe Konzentrationsspanne des Welpens. Überfordere ihn nicht mit Training.

Anti-Giftköder-Training mit einem Welpen

Wo erhalte ich Unterstützung für das Anti-Giftköder-Training?

Viele Hundeschulen oder Hundetrainer bieten Anti-Giftköder-Trainingseinheiten an. Manche leiten so gar komplette Kurse oder Seminare zu dem Thema. Informiere Dich, was in Deiner Gegend angeboten wird. Auch manche Tierschutzvereine bieten Informationen dazu an.

Welche Zusatzmaßnahmen kann ich noch ergreifen?

Folgende Maßnahmen kannst Du neben dem Anti-Giftköder-Training noch zusätzlich ergreifen:

  • Installation einer Giftköder-Alarm-App
  • Verwendung eines GPS-Trackers
  • Informierung über großflächige Pestizid-Einsätze in der Gegend
  • Notfallnummern von Tierärzten im Smartphone einspeichern

Was soll ich tun, wenn ich einen Giftköder finde?

Damit Du in dieser Situation richtig reagierst, haben wir für Dich die Informationen zur Handlungsweise bei einem Giftköder Fund in einer Infografik zusammengefasst. Diese kannst Du auch gerne mit Deinen Freunden teilen, damit Ihr in dieser Situation immer richtig reagiert.

Informationsgrafik Das solltest Du tun bei einem Giftköder Fund

Was soll ich tun, wenn mein Hund ein Giftköder gefressen hat?

Du hast beobachtet, wie Dein Hund ein Giftköder gefressen hat oder er verhält sich nach dem Spaziergang komisch? Folgende Symptome sind typische Anzeichen für eine Vergiftung:

  • Erbrechen / Durchfall
  • Zittern / Unruhe
  • Atemnot
  • starker Speichelfluss / Schaum vorm Maul
  • Lähmungserscheinungen / Muskelkrämpfe
  • aufgeblähter, harter Bauch
Achtung: Bringe Deinen Hund nicht zum Erbrechen. Dies könnte es noch gefährlicher machen.

Bewahre Ruhe und suche sofort einen Tierarzt auf. Diesen solltest Du vorher kontaktieren, damit er sich darauf vorbereiten kann. Falls vorhanden, nimm etwas vom Giftköder, dem Erbrochenen oder vom Kot mit zum Tierarzt. Dies hilft herauszufinden, um welche Art von Vergiftung es sich handelt. Halte Deinen Hund auf dem Weg zum Tierarzt warm und achte auf seine Atmung, sowie Puls.

Hinweis: Besuche auch unverzüglich den Tierarzt, wenn Dein Hund nur eventuell etwas Schädliches gefressen hat. Bei einer Vergiftung zählt jede Minute.

Fazit

Anti-Giftköder-Training ist ein wichtiger Bestandteil bei der Ausbildung Deines Hundes. Fange so früh wie möglich damit an und bleibe stets am Ball. Hunde handeln instinktiv, sodass sie ohne Training jede potenzielle Beute vom Boden aufnehmen würden. Insbesondere durch die Ausleger von Giftködern kann der Fund jedoch lebensgefährlich sein. Sei vorsichtig und suche bei Verdacht sofort einen Tierarzt auf.

Weiterführende Links und Recherchequellen

Zum Giftköder-Radar

5/5 - (2 votes)